Wie ist das mit Wildcampen in Österreich?

Wildcampen. Der Traum und die erste Wahl aller Van-Reisenden. Unter Wildcampen versteht man grundsätzlich autarkes Campen in „freier Wildbahn“. Weg von kostenpflichtigen Campingplätzen, hin zu naturnahen Plätzen.

Unser von atemberaubenden Bergen, glasklaren Seen und weitläufigen Almen geprägtes Heimatland hat eigentlich unzählige traumhafte Stellplätze zum Wildcampen anzubieten. Eigentlich. Denn mit den Rechtslagen zur Causa Wildcampen in Österreich sieht es leider nicht so rosig aus, wie man es sich als Van-Reisende*r wünschen würde. In manchen Bundesländern greifen die Gesetze streng durch, in anderen wiederum gönnt man uns Naturliebhaber*innen gerne ein wenig mehr Beinfreiheit.

Wir wollen dich heute ein wenig genauer über die jeweiligen Bundesländer und deren Rechtslagen zur Causa Campen aufklären und stellen dir zwei Stellplatz Apps vor, die du bei der Suche nach (legalen oder eben auch nicht so legalen) Übernachtungsplätzen nur allzu gut gebrauchen kannst. Last but not least haben wir noch ein paar essenzielle Tipps zum Wildcampen für dich, damit du im Fall der Fälle mit einem blauen Auge davon kommen und dir hohe Bußgelder ersparen kannst.



Inhaltsverzeichnis

  • Ist Wildcampen in Österreich erlaubt?

  • Wildcampen in ..

  • Stellplatz Apps

  • Wildcampen in Österreich Tipps


Ist Wildcampen in Österreich erlaubt?


Das ist wohl die wichtigste Frage des heutigen Artikels, jedoch muss ich dich gleich vorweg ein bisschen enttäuschen: In Österreich ist Wildcampen grundsätzlich verboten, aber in gewissen Bundesländern beziehungsweise Gemeinden wird es weniger streng gehandhabt und teilweise (noch, mit tausenden Ausrufezeichen) geduldet. Die Rechtslage zu Wildcamping in Österreich kann demnach nicht pauschalisiert werden, da die Gesetze je nach Bundesland und je nach Gemeinde unterschiedlich festgelegt werden.

Allerdings ist Campen oder Zelten im Wald laut Österreich.gv.at einheitlich für ganz Österreich geregelt: “Der Wald darf zwar grundsätzlich zu Erholungszwecken betreten werden, eine "Benutzung" des Waldes durch z.B. Lagern bei Dunkelheit oder Zelten ist jedoch ausdrücklich verboten. Erlaubt ist das Zelten im Wald nur dann, wenn die Zustimmung der Waldeigentümerin/des Waldeigentümers vorliegt bzw. eingeholt wird.”

Das Campieren, sprich, das Nächtigen von Personen in mobilen Unterkünften, etwa Zelte, Wohnwagen, Kraftfahrzeugen oder Wohnmobilen, in Österreich außerhalb des Waldbereichs ist aber nicht einheitlich geregelt. Wie sieht es also je nach Bundesland aus?


Wildcampen im Burgenland

Im Burgenland ist Campen in der freien Landschaft beziehungsweise außerhalb von behördlich bewilligten Camping- oder Mobilheimplätzen verboten. Dazu zählt leider auch die wundervolle Landschaft rund um den Neusiedler See, was zahlreiche Verbotsschilder und nächtliche Patrouillen nur zu gut unter Beweis stellen. Ein Verstoß gegen das Gesetz wird als Verwaltungsübertretung betrachtet und kann nach dem Österreichischen Alpenverein mit einer saftigen Geldstrafe von bis zu 3.600 Euro geahndet werden. Wer sich ganz genaue Informationen einholen möchte, kann sich im Burgenländischen Camping- und Mobilheimplatzgesetz schlau machen, oder im Burgenländischen Naturschutz- und Landschaftspflegegesetz nachlesen

https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrBgld&Gesetzesnummer=10000156

https://www.help.gv.at/linkaufloesung/applikation-flow?leistung=LA-HP-GL-Bgld_NaturschutzLPflG&quelle=HELP&flow=LO


Wildcampen in Kärnten

#homeiswhereyouparkit in Kärnten? Fehlanzeige. Wer mit dem Van in Kärnten Wildcampen möchte, würde gegen das Kärntner Naturschutzgesetz verstoßen und hohe Bußgelder regnen lassen müssen. Dieses Gesetz besagt, dass es in der freien Landschaft verboten ist, außerhalb von behördlich bewilligten Campingplätzen und sonstigen im Zusammenhang mit Wohngebäuden stehenden Flächen (Vorgärten, Haus- und Obstgärten) zu zelten oder Wohnwagen abzustellen. Es ist verboten, mit motorbetriebenen Fahrzeugen außerhalb der für den fließenden oder ruhenden Verkehr bestimmten Flächen zu fahren oder dort solche abzustellen.

https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrK&Gesetzesnummer=20000118


Wildcampen in Niederösterreich

Nicht nur Kärnten ist ein Spielverderber. Auch in Niederösterreich ist das Auf- und Abstellen von Vans außerhalb von genehmigten Campingplätzen laut Niederösterreichischem Naturschutzgesetz verboten. Wer keine eventuelle verhängnisvolle Affäre mit dem Gesetz eingehen will, sollte mit seinem Van auf offizielle Camping- bzw. Stellplätze ausweichen oder in die folgenden zwei Bundesländer reisen.

https://www.help.gv.at/linkaufloesung/applikation-flow?leistung=LA-HP-GL-Noe_NaturschutzG&quelle=HELP&flow=LO


Wildcampen in Oberösterreich und der Steiermark

Bereit für eine gute Nachricht? Laut Österreich.gv.at heißt es: “Für das Bundesland Oberösterreich gibt es keine Bestimmungen, die sich ausdrücklich auf die Zulässigkeit oder das Verbot des Campens beziehen.” Dasselbe gilt auch für die Steiermark. Somit können sich Wildcamper*innen in diesen beiden Bundesländern relativ frei aussuchen, wo sie mit ihren Vans parken und übernachten, aber es schadet nicht, sich über die Gesetzeslage der jeweiligen Gemeinden schlau zu machen. Welche Rechtlichen Rahmenbedingungen in naher Zukunft in Oberösterreich gelten werden, ist derzeit noch in Schwebe, denn die veralteten Gesetze sollen 2021 durch Neue ersetzt werden! Jede der 438 Gemeinden in Oberösterreich kann bald selbst bestimmen, ob wir Van-Reisende außerhalb von Campingplätzen parken und übernachten dürfen oder nicht. Es bleibt also spannend.


Wildcampen in Salzburg

In Salzburg ist es nicht grundsätzlich verboten, außerhalb von Campingplätzen zu campieren, aber die Bürgermeisterin bzw. der Bürgermeister sowie die Gemeindevertretung kann etwaige Verschärfungen und Gesetze für diverse Orte veranlassen, sollten bestimmte “Interessen” verletzt werden. Dazu zählt beispielsweise die Sicherheit oder die Gesundheit von Menschen, der Landwirtschaft oder des Landschafts- und Ortsbildes. So kam es bereits mehrfach vor, dass einige Gemeinden aufgrund von Vermüllung ein Gesetz erlassen haben, welches das Aufstellen von Wohnmobilen zum Zweck des Übernachtens verbietet. Da haben wir uns wohl selbst ein Ei gelegt.


Wildcampen in Tirol

Leider ist es auch in Tirol laut § 3 des Tiroler Campinggesetzes grundsätzlich verboten, außerhalb von Campingplätzen zu campieren. Sollte man beim Wildcampen in einem Naturschutzgebiet oder Nationalpark erwischt werden, so können die Geldstrafen bis zu 14.500 Euro betragen. Hier kann man sich genauere Infos übers Campen in Tirol einholen.

https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrT&Gesetzesnummer=20000099


Wildcampen in Vorarlberg

Ob du im Ländle Ärger mit dem Gesetz bekommst, hängt von der Gemeinde ab. Dem Vorarlberger Campingplatzgesetz nach zu beurteilen ist das Aufstellen von Zelten, Wohnwagen und ähnlichen beweglichen Unterkünften außerhalb von Campingplätzen vom Bürgermeister bzw. von der Bürgermeisterin mit Bescheid zu untersagen, sobald Interessen der Sicherheit, der Gesundheit, des Schutzes der örtlichen Gemeinschaft, der Landwirtschaft, des Tourismus oder des Naturschutzes verletzt werden. Im Grunde also sehr ähnliche Sachlagen wie in Salzburg. Informiere dich bestenfalls vor deiner Ankunft, wo du mit deinem Van übernachten darfst!

https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=LrVbg&Gesetzesnummer=20000745


Wildcampen in Wien

Zugegeben, Wien ist wohl das letzte Bundesland, in dem man gerne Urlaub im Van machen möchte. Dennoch wollen wir die Gesetzeslage aus der Hauptstadt kurz und bündig erwähnen: Wer in Wien außerhalb von Campingplätzen in seinem Van wohnt beziehungsweise schläft, macht sich strafbar und begeht eine Verwaltungsübertretung. Sollte man erwischt werden, kann dieser “Verstoß” saftige Geldbußen nach sich ziehen. Nur gut, dass sich Großstadt und Van-Reise ohnehin nicht verträgt, oder?


Die zwei besten Stellplatz Apps für Österreich

Man kann natürlich stets ins Blaue fahren und sich von den Gegebenheiten vor Ort überraschen lassen. Auf der sicheren Seite ist man aber mit Stellplatz Apps, die innerhalb wenigen Sekunden zahlreiche Plätze zum Parken und Übernachten aufweisen. Von diesen beiden sind wir besonders überzeugt:

- Schau-aufs-Land: Das dreiköpfige Gründerteam von Schau aufs Land verbindet eine große Leidenschaft für naturnahes Van Reisen sowie die Vision, mehr Wertschätzung und Bewusstsein für die nachhaltige Landwirtschaft zu schaffen. Der digitale Stellplatzführer ist zwar (noch) keine App, man kann ihn aber für 35 Euro auf deren Webseite ergattern und 365 Tage ab dem Kauf nutzen, um auf knapp 250 naturnahen Stellplätzen, Bio Bauernhöfen oder Weingütern zu verweilen. Wie genau das funktioniert und auf was du dich alles freuen kannst, erfährst du hier. https://www.schauaufsland.com/mitgliedschaft/

- Park4Night: Der absolute Klassiker unter den Stellplatz Apps stellt Park4Night dar. In Österreich finden sich derzeit über 2800 Plätze, die man anfahren kann. Zu diesen Plätzen zählen sowohl offizielle Camping- und Stellplätze, als auch Picknickplätze, Parkplätze, Bauernhöfe und sogar private Stellplätze. Letztere muss man natürlich vorher anfragen. Die App ist kostenlos, kinderleicht zu bedienen, sehr übersichtlich und praktisch für Wildcamper*innen, die sich ein feines Platzerl jenseits der Zivilisation suchen wollen. https://park4night.com


Wildcampen in Österreich - Tipps und Tricks

Wer in Österreich Wildcampen möchte, sollte gewisse Verhaltensregeln unbedingt einhalten. Doch gleich vorweg: Diese Verhaltensregeln schützen nicht vor dem Entdecktwerden oder einer eventuellen Anzeige und stellen auch keinen Freibrief zum Wildcampen dar!


Unauffälliges Parken und “Camping Verhalten” meiden zählt zu den wichtigsten Grundpfeilern. Wer sich auf einem Parkplatz breit macht, Campingstühle und den Campingtisch aufstellt, laute Musik aus dem Van dröhnt und frohlockend Abendessen grillt, wird sich früher oder später saftige Geldstrafen einfangen. Das Zauberwort “unauffällig” hat schon so manch einen/eine Van-Reisende*n mehrere hundert Euro erspart.


Zudem sollte man nicht mehr als eine Nacht auf einem inoffiziellen Platz übernachten bzw. Wildcampen. Wird man erwischt, kann man sich aufs „Pausieren“ ausreden. Pausieren in Fahrzeugen außerhalb von Campingplätzen ist nämlich erlaubt, wenn es darum geht, dass der Lenker/die Lenkerin wieder fahrtauglich wird. Diesen Aspekt muss man dennoch als Grauzone handhaben, da man schnell mal in Erklärungsnot gerät, wenn man sich fürs „Pausieren“ einen kleinen Spot nächst einem See aussucht, anstatt einer Raststation oder einem öffentlichen Parkplatz.


Auf privaten Grundstücken darf nur mit Erlaubnis des Eigentümers übernachtet werden – das gilt, wie oben beschrieben, auch für Waldgebiete. Somit lautet eine weitere Grundregel für uns Van-Reisende: Nachfragen, um Erlaubnis bitten und freundlich bleiben. Wer Glück hat, darf sogar mehr als eine Nacht auf dem Privatgrundstück verweilen.


Die oberste Regel für all die genannten Ereignisse lautet: Keinen Müll machen. Nicht mal ein bisschen. Kein Feuer machen. Nicht mal ein bisschen. Leise sein. Am besten sehr leise. Nur so gewinnt man Sympathiepunkte und schafft einen Mehrwert für alle Beteiligten. Dazu zählt auch der Uhu, das Rehkitz und die Wildschweinfamilie. Wer weiß, wenn alle Van-Reisenden ab sofort sorgfältig, sauber und respektvoll mit Mensch und Natur umgehen, entschärfen sich die Gesetze vielleicht ganz von alleine!




Zusammenfassung


Ob du mit einer Übernachtung unter freiem Himmel das Gesetz brichst, hängt vom jeweiligen Bundesland und deren spezifische Regelungen ab. Waldflächen dürfen in allen Bundesländern betreten werden, jedoch ist das Übernachten verboten beziehungsweise nur mit der Erlaubnis des Grundbesitzers erlaubt. In Tirol, Niederösterreich, Kärnten und dem Burgenland sind die Regeln ziemlich streng, wohingegen die Bestimmungen in Oberösterreich, Salzburg, der Steiermark und in Vorarlberg sanfter gehandhabt werden. Wie du deine Van Reise im Endeffekt gestaltest, hängt natürlich von dir ab, beachte aber bitte jederzeit unsere Tipps und Tricks!


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#vanlife #campinggesetz #wildcampen

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